Echte Liebe kennt keine Grenzen, oder?

Damals, im Jahr 2008, betrieb ich Öffentlichkeits- und ein bisschen Pressearbeit für ein Theaterstück in Stralsund, „Allein Tanzen“ von Gerd Franz Triebenecker. In der philosophischen Komödie spielten Dirk Möller, Jürgen A. Verch und Ulla Braunisch die Hauptrollen. Rückblickend glaube ich, dass das Stück mein liebtes von Franz ist, mit dem ich seit 2002 befreundet bin und gearbeitet habe.

Baby, du hast mir den Kopf verdreht

Ich war in meinem letzten Studienjahr und hatte – nun ja – ungefähr alle Zeit der Welt, weshalb ich bei nahezu allen Proben zum Stück dabei war und das Stück wahrscheinlich ungefähr fünfzig Mal gesehen habe. Als ich Fotos und Pressetexte für das Stück beschäftigt war, kam ich auf die Idee, etwas zu schreiben und aufzunehmen, das ich normalerweise mit gutem Gewissen verabscheue – einen Schlager, die wohl schlimmste Form deutscher Volksmusik. Auch wenn ich nicht ansatzweise so musikalisch und aktiv war wie heute, konnte ich diese Gelegenheit nicht vorüberziehen lassen. Und so wurde Die Liebe im Visier geboren.

Das hässliche Entlein

Fern jeglichen tieferen Sinns, mit einer Struktur und Sounds, die wie rohes Plastik anmuten, hat Schlager in Deutschland den Stand einer öffentlichen Witzfigur. Zumindest bei Menschen mit einem entfernten Sinn für Musikalität. Es ist wie mit der Bild-Zeitung – jeder weiß, dass da nur Müll drin steht, aber trotzdem wenden sich die Leute ihr zu und konsumieren sie.

Klarkommen auf Volksmusik

Also, wie geht man einen Schlager an? Ich versuchte mich zu erinnern, was ich bei meiner Oma im Auto hörte, als ich ein Kind war – damals hörte sie noch Heino und Roy Black, als gäbe es kein Morgen, und keine andere Musik, die man als ältere Dame hören könnte. Ich glaube, von den beiden Künstlern 😊 saugte ich die meiste meiner Inspiration, und hörte mir zur Vorbereitung jede Menge ihrer Musik an, bevor ich schließlich zusammenklaubte, was ich für etwas hielt, das nah an einem „richtigen“ Schlager wäre. Überkitschige Texte, nie auch nur einen Hauch von Unklarheit oder mehrfachen Bedeutungsebenen, geradeaus auf den Punkt. Gesang, der dich von besseren Zeiten, besseren Welten oder schlicht von deinem komischen reichen Onkel mit dem aufdringlichen Parfum träumen lässt. Ein Beat, mit dem Du Blumen gießen kannst. Einfache, glockige Synthiesounds made in heaven. Orchester-Hits, die im Chorus schließlich reinhauen die Botschaft übermitteln.

Jetzt verfügbar!

Ich habe tatsächlich versucht, so viele Klischees wie möglich zu erfüllen, ohne den Sinn für Originalität zu verlieren. Es sollte schließlich nicht zu einem einzigen Witz mutieren. Und das hat, damals auf der Bühne, sehr gut funktioniert, weshalb ich den Song nun auch euch nicht vorenthalten will. Ab sofort findet sich der Song, mit zwei weiteren Versionen, auf den üblichen Plattformen für Streaming und zum Kauf auf Bandcamp. Ich habe noch eine fahrstuhl-fähige Chillout-Piano-Version (die Vorhangmusik des Stücks) und den Versuch eines Trance-Mixes beigelegt, der es allerdings nie ins Theaterstück geschafft hatte.

Viel Spaß!